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Die Augen das Fenster zur Seele
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[Teil 2] Der Verletzlichkeit ins Auge blicken

Verletzlichkeit_Die Maske ablegen

Verletzlichkeit_Die Maske ablegen

Im ersten Teil dieser Beitragsserie „Die Wahrheit über Verletzlichkeit“ habe ich dir einige Hintergrundinformationen und Denkanstöße zum Thema Verletzlichkeit aufgezeigt. In diesem Artikel soll es nun darum gehen, wie du der Verletzlichkeit ins Auge blickst. Es geht darum, die Verletzlichkeit anzuerkennen und Wege zu finden, mit ihr umzugehen. Welche Masken tragen wir, um die Verletzlichkeit zu verstecken? Verstecken wir uns nur vor der Außenwelt oder auch vor uns selbst?

 

Stell dir einmal vor du bist 80 oder 90 Jahre alt und blickst zurück auf dein vergangenes Leben…

Könntest du sagen: „Ich würde nichts anders machen!“?

Oder

Hättest du Grund etwas bereuen?

Würdest du rückblickend andere Wege einschlagen?

Hättest du jetzt den Mut Dinge anzupacken vor denen du dich immer gefürchtet hast?

Wünschst du dir die Zeit zurückdrehen zu können, um etwas zu verändern?

 

Viele Menschen werden gegen Ende ihrer Tage nachdenklich und blicken zurück auf das, was sie erlebt haben, was sie getan haben und überlegen, was sie anders machen würden.

Meistens bereuen wir im Alter

 

  • Nicht den Mut gehabt zu haben, unser Leben nach unseren eigenen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten
  • Zu viel gearbeitet und das Leben nicht genossen zu haben
  • Angst vor Gefühlen gehabt zu haben und nicht die Kraft Emotionen zu zeigen
  • Den Mangel an Stärke, Dinge umzusetzen. Auch dann, wenn sie uns ängstigen

Wäre es nicht schön zurückblicken zu können und zu sagen: „Das hat sich doch mal gelohnt!“?

 

Warum trauen wir uns so vieles nicht?

Wieso haben wir Angst unser eigenes Leben zu leben, fürchten uns zu versagen oder trauen uns nicht Dinge in Angriff zu nehmen?

 

Die Antwort ist meist die gleiche oder läuft letztendlich immer auf das gleiche Ergebnis hinaus:

Verletzlichkeit.

 

Wir haben so große Angst davor verletzt zu werden, dass wir manches lieber von vornherein bleiben lassen ohne einen ernsthaften Versuch zu unternehmen sie umzusetzen.

 

Die Gründe dafür sind,

  • Angst vor Ablehnung
  • Sorge zu Scheitern und als Versager zu gelten
  • Besorgnis, dass andere das was wir tun als „nicht gut“ definieren
  • Furcht vor dem Schmerz, wenn unsere Gefühle nicht erwidert werden

 

Wir legen uns im Laufe des Lebens einen Panzer zu, der uns davor schützt, verletzt zu werden. Dieser Panzer dient dazu, dass andere Menschen nicht hinter die Fassade blicken können und die Verletzlichkeit dahinter entdecken.

 
 
 
Selbstkonzept Kindesentwicklung

Die Maske ablegen und Verletzlichkeit zulassen

Wir tragen eine Maske, wohinter wir unsere Verletzlichkeit verstecken. Diese Maske dient aber nicht nur, um uns vor der Außenwelt zu schützen. Sie wirkt auch nach innen, um uns vor unseren eigenen Gefühlen zu schützen.

Um dies zu verdeutlichen habe ich dir 3 Beispiele solcher Masken zusammengefasst, die uns vor der Außen- und Innenwelt schützen.

 

1. Freude ist nie von Dauer

Wir tendieren dazu, an angenehmen Dingen etwas Schlechtes suchen. Der Grund dafür ist, dass wir dem Glück und der Freude, die wir empfinden, nicht trauen. Wir versuchen uns auf den Sturm vorzubereiten, der unweigerlich auf diese Ruhe folgen muss.

Selbst dann, wir das Leben genießen und uns glücklich fühlen könnten, sind wir immer darauf vorbereitet, dass dieses Glück schneller vorbei sein kann, als uns lieb ist. In uns hat sich die Überzeugung gefestigt, dass Harmonie und Zufriedenheit niemals von Dauer sind.

Wir haben also gar nicht die Möglichkeit, das Gute und Schöne zu genießen, weil wir davon ausgehen, dass es bald ein Ende haben wird.

 

Was tun wir also?

Wir versuchen Freude und Glück nicht zu sehr zu genießen, trauen dem schönen Schein nicht und suchen nach etwas, das diese Schönheit etwas weniger schön macht. Wir suchen nach dem kleinen Makel, der uns Erleichterung verschafft. Erleichterung darüber, dass alles nicht so schön ist, wie es scheint und, dass demnach das Ende nicht allzu schrecklich ausfallen wird.

 

„Das ist schön, aber…“

„Das gefällt mir, aber…“

„Das lief gut, aber…“

 

Immer auf der Suche nach dem kleinen „aber“ können wir das Gute nicht genießen, weil wir so misstrauisch sind. Wenn wir in Gedanken bei einem geliebten Menschen sind, steigt oft im gleichen Augenblick der Gedanke in uns auf: „Was ist, wenn ich diesen Menschen verliere?“, „Was, wenn diesem Menschen etwas Schreckliches zustößt?“

Wir wollen uns darauf vorbereiten, sodass uns der Schlag, der unweigerlich kommen wird, nicht zu hart trifft.

Aber mal ehrlich! Können wir uns wirklich auf den harten Schlag vorbereiten? Selbst wenn die furchtbarsten Szenarien immer und immer wieder in unserem Kopf durchspielen. Sind wir wirklich gewappnet, wenn sie kommen?

 

Natürlich ist es einfacher, sich nicht zu sehr zu freuen, nicht zu sehr zu genießen, um sich selbst zu schützen. Aber was ist der Preis dafür?

Du verpasst letztendlich so viele wunderbare Dinge und Momente, weil du dich nicht traust, die Freude zuzulassen, die du in diesem Moment empfindest.

 

Wer sagt außerdem, dass das schlimme Ende unweigerlich kommen wird?

Ist es vorherbestimmt, dass auf Freude unweigerlich Trauer folgt?

Können wir davon ausgehen, dass dem Guten immer etwas Böses nachfolgt?

 

Die Maske des Misstrauens ablegen

Selbst wenn wir an einem Punkt ankommen, an dem wir unsere Freude zulassen und genießen wollen, fragen wir uns dennoch:

„Warum sollte gerade ich ein solches Glück haben?“, „Anderen Menschen geht es schlecht. Welches Recht habe ich also, mich zu freuen?“, „Angesichts der vielen Tragödien auf der Welt. Warum sollte es gerade mir gutgehen?“

Die Lösung, um Freude zuzulassen und aus vollem Herzen die Schönheit zu genießen, klingt zunächst simple.

Dankbarkeit.

Anstatt sich also glücklichen Momenten nicht hinzugeben, weil das Unglück direkt um die Ecke wartet, versuche dankbar zu sein.

Dankbar dafür, dass du diese Zeit genießen darfst, ohne darüber nachzudenken, was darauffolgt.

Lebe den Moment und genieße es, diese wundervolle Zeit erleben zu dürfen.

 

Sei dankbar für das, was du hast, was du erleben und empfinden darfst.

Glück und Unglück gehen nicht Hand in Hand.

Verletzlichkeit und sich angreifbar zu fühlen, weil wir Freude empfinden, ist keine Schande. Es ist in Ordnung, wenn du dich verletzlich fühlst, weil du das, was dich glücklich macht, verlieren könntest.

Aber Verletzlichkeit und Dankbarkeit schließen einander nicht aus. Du kannst verletzlich sein und gleichzeitig dankbar.

Dankbarkeit hilft dir auch dabei, die Sorgen und Ängste beiseite zu legen und den Moment des Glücks zu genießen.

 

Dem Thema Dankbarkeit habe ich auch einen Abschnitt in meinem Buch „Schritt für Schritt zum großen Glück – jeden Tag ein kleines Stück“ gewidmet.

 

 

Alleine sein will gelernt sein

2. Betäubung

Ein weiteres Mittel, um der Verletzlichkeit zu entgehen ist die emotionale Betäubung. Hiermit sind nicht nur Rauschmitteln, wie Alkohol, Drogen oder ähnliches gemeint, sondern auch Ablenkung.

Vielleicht gehörst du nicht zu den Menschen, die sich ein Bier oder ein Glas Wein gönnen, um abzuschalten. Aber fast jeder von uns hat irgendein Betäubungsmittel. Das kann beispielsweise auch Beschäftigung sein, wie Arbeit, Fernsehen, Internet, Essen, …

Gefühle werden dann durch Ablenkung oder Beschäftigungsdrang betäubt.

Das Problem: Mit der Zeit betäuben wir nicht nur unsere unangenehmen Gefühle, sondern auch mehr und mehr angenehme Emotionen. Wir können nicht einzelne Empfindungen ausblenden, sodass auch unser Empfinden von Liebe, Zuneigung, Kreativität und Empathie darunter leidet.

 

Verletzlichkeit zuzulassen bedeutet also Großes wagen. Mutig zu sein, sich der Welt zu zeigen, auch dann, wenn wir Gefahr laufen zu scheitern.

Veränderungen, Innovationen und Kreativität basieren auf Verletzlichkeit, die nicht betäubt wurde.

Wenn wir etwas Neues wagen, aufrichtig und ehrlich sind, ohne uns Gedanken über Konsequenzen zu machen, steht die Verletzlichkeit direkt um die Ecke.

Ja, wir können scheitern und dafür vielleicht sogar verhöhnt werden.

Und dann?

Wir stehen auf und machen weiter! Es ist keine Schande zu Scheitern oder sich einzugestehen, Fehler gemacht zu haben. Jeder von uns stolpert und fällt hin.

Der Mut besteht darin, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Auch dann, wenn wir gestürzt sind uns vielleicht blamiert haben oder enttäuscht wurden.

 

„Stark sein bedeutet nicht, nie zu fallen. Stark sein bedeutet, immer wieder aufzustehen!“

 

Betäubung kann aber auch bedeuten, dass wir die aufkommenden Gefühle verdrängen. Wir wollen sie nicht wahrhaben, weil sie uns Angst machen und verletzlich.

Letztendlich ist es aber so, dass wenn wir Liebe, Verbundenheit und Zugehörigkeit empfinden wollen, Verletzlichkeit ein unweigerlicher Bestandteil ist.

Wir können schließlich nur dann verletzt oder enttäuscht werden, wenn wir uns jemandem verbunden fühlen. Nur dann hat dieser Mensch auch die Macht, uns zu verletzen.

Verschließen wir uns davor und setzen die Maske der Betäubung auf, betäuben wir dadurch nicht nur die Verletzlichkeit, sondern auch die Liebe, die wir einer Person entgegenbringen.

 

Die Maske der Betäubung ablegen und Gesicht zeigen

Der Schlüssel, um der Betäubung entgegenzuwirken ist Achtsamkeit. Erst, wenn wir uns bewusstmachen, dass wir Dinge tun, die uns vor unangenehmen Gefühlen schützen, können wir beginnen, die Maske abzulegen. „Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung.“ – Dieses Sprichwort trifft es zu oft auf den Punkt, denn wir müssen zunächst erkennen, bevor wir etwas verändern können.

Die Aufmerksamkeit darauf zu richten, wie wir uns fühlen, was etwas in uns auslöst und welchen Zweck ein bestimmtes Verhalten erfüllt.

Achtsamkeit bedeutet auch, sich nicht zu sehr mit seinen Gefühlen zu identifizieren oder sich hineinzusteigern. Achtsamkeit bedeutet beobachten, annehmen ohne zu bewerten und eine realistische Selbsteinschätzung zu treffen.

 

Es braucht Mut und Kraft, sich gegenüber sich selbst zu öffnen, in sich hineinzuhören und hineinzufühlen.

Aber erst, wenn du bereit bist, dich auch gegenüber dir selbst zu öffnen und auch negative Emotionen anzunehmen und zuzulassen, kannst du sie überwinden.

 

Die Frage ist demnach nicht, was wir tun, sondern warum wir es tun. Es geht nicht darum auf ein Genussmittel, wie ein Glas Wein oder ein Stück Schokolade zu verzichten, sondern zu überlegen, warum.

Trinke ich, weil es mir gerade Genuss verschafft oder, weil ich etwas betäuben will.

Bereitet mir der Sport vergnügen oder lenkt er mich von Problemen ab, denen ich mich nicht stellen will.

Verdränge ich durch mein Verhalten Emotionen, vor welchen ich mich fürchte oder weil ich Angst habe, dass sie mich verletzten?

 

Wenn wir uns davor verschließen, Verletzlichkeit zuzulassen, schieben wir gleichzeitig einen Riegel vor die Tür der Verbundenheit, Vertrautheit, Freude und Liebe.

 
 

 

Haustiere machen glücklich

3. Perfektionismus

Der Kerngedanke hinter Perfektionismus ist, dass wenn wir perfekt sind, wir nicht angreifbar sind. Wir sind gefeit vor Tadel, Ablehnung, Kritik, Beurteilung und Verletzlichkeit.

Im Hintergrund steht meist die Überzeugung, dass nur dann, wenn wir perfekt sind, wir es wert sind geliebt, gelobt und beachtet werden. Für Fehler ist in hier kein Platz.

Weil mir dieses Thema persönlich sehr am Herzen liegt, habe ich in meinem Beitrag Perfektionismus – ein Kampf gegen sich selbst Hintergründe, Antreiber und Wege aus dem Perfektionismus für dich zusammengestellt.

 

Tatsächlich bedeutet perfekt zu sein aber nicht automatisch, dass wir geliebt und gelobt werden, Anerkennung erhalten oder erfolgreich sind.

Den Anspruch des Perfekt seins an sich selbst zu haben, kann für Betroffene eine große Last darstellen. Tatsächlich ist es sogar so, dass Perfektion nicht nur unsere Leistung beeinträchtigen, sondern auch Depression, Angststörungen und Suchtverhalten begünstigt.

Brené Brown beschreibt Perfektionismus als Selbstzerstörung, weil es schlicht und einfach keine Perfektion gibt.

 

Nicht die Natur, nicht die Menschen, nicht die Wirtschaft, nicht die Politik, …

Nichts auf unserer Welt ist perfekt.

Kein Gesicht ist symmetrisch, kein Baum ist 100% gleichmäßig geformt und niemand kann immer alles richtigmachen.

All die wunderschönen Dinge auf unserer Erde, sind alle nicht perfekt und genau das ist es, was ihre Schönheit ausmacht.

Denn, die Perfektion liegt gerade darin, dass etwas nicht perfekt ist.

Keine Freundschaft, Partnerschaft oder Familie ist vollkommen. Und trotzdem lieben wir diese Menschen.

 

Die Maske des perfekten Scheins ablegen

Auch der Perfektionismus hat verschiedene Abstufungen. So unterliegen manche von uns nur in bestimmten Situationen dem Drang nach Perfektion. Das ist häufig dann der Fall, wenn wir uns besonders verletzlich fühlen. Bei anderen wiederum kann Perfektionismus bereits als chronisch bezeichnet werden, da sie die Überzeugung immer perfekt sein zu müssen, nicht ablegen können.

 

Der Weg aus der Perfektionismus-Fall lässt sich in nur 3 Wörtern beschreiben: „DU BIST GENUG.“

Es ist völlig okay, nicht den Anspruch an sich selbst zu haben, perfekt sein zu müssen, denn das wirst du sowieso niemals erreichen können.

Es ist okay, nicht der / die Beste zu sein oder immer 100% zu geben.

Setze dir keine Ziele, die du niemals erreichen wirst.

 

Es ist besser, etwas nicht ganz perfekt zu machen, anstatt es niemals fertigzustellen.

 

Jeder hat Schwächen und gelangt irgendwann an seine Grenzen – auch du.

Lass dich nicht davon beherrschen, dass du den Schein des Perfekten aufrechterhalten musst.

Du musst nicht perfekt sein, um geliebt oder beachtet zu werden.

Oder sind alle Menschen, die du liebst perfekt?

Schenkst du nur dann Beachtung und Anerkennung, wenn jemand makellos ist?

Vermutlich nicht.

Warum solltest du also die Ansprüche an dich selbst höher setzen, als an alle anderen?

 

Mehr zum Thema Perfektionismus: Perfektionismus – ein Kampf gegen sich selbst

 

Fazit:

Sich selbst zu schützen ist eine natürliche Reaktion des Menschen und demnach die Bereitschaft, sich verletzlich zu zeigen eher gering. Deshalb setzen wir Masken auf, bauen eine Mauer um uns herum und legen Schutzkleidung an, bevor wir in den Boxring steigen.

Durch die Schutzmechanismen, die wir anwenden, um nicht verletzt zu werden, nehmen wir uns auch ein ganzes Stück Lebensqualität.

Jeder von uns sehnt sich nach Verständnis, Fürsorge Liebe, Zugehörigkeit und Unterstützung.

Aber wie können wir diese Dinge erwarten, wenn wir nicht bereit sind, uns ihnen gegenüber zu öffnen?

Wenn wir eine Maske tragen und niemanden hinter die Fassade blicken lassen, wie soll uns jemand um unserer selbst willen lieben können?

Wie wollen wir einander kennenlernen, wenn doch nur die Maske des anderen zu Gesicht bekommen?

 

Wenn wir Liebe, Zuneigung, Verständnis und Zugehörigkeit erwarten, dann müssen wir dafür auch bereit sein, uns zu zeigen. Zu zeigen, dass hinter der Maske, die jeder von uns in gewisser Weise trägt, eine Persönlichkeit steckt, die es Wert ist, geliebt zu werden.

 

Je mehr du bereit bist, Verletzlichkeit zuzulassen und deine Verletzlichkeit zu zeigen, desto mehr wird die Angst davor nachlassen.

Mit der Zeit wirst du dein Selbstbewusstsein stärken und selbst wenn dich jemand verletzt, lernen können damit umzugehen.

 
 
[Teil 2] Der Verletzlichkeit ins Auge blicken. Verletzlichkeit anzuerkennen und Wege zu finden, mit ihr umzugehen. Welche Masken tragen wir, um die Verletzlichkeit zu verstecken? Verstecken wir uns nur vor der Außenwelt oder auch vor uns selbst? Wie können wir mit unserer Verletzlichkeit umgehen?

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