Im Laufe unseres Lebens entwickelt jeder von uns ein Selbstkonzept. Dieses wird geprägt in der Kindheit und reift über die Jugend bis es schließlich im Erwachsenenalter – je nach Lebenserfahrung – weitgehend konstant bleibt.

In Abgrenzung zu unserer Identität, also das Bewusstsein über die eigene Person als individuelles Wesen, lässt sich das Selbst in Kognition und Emotion unterteilen.

Kognition, also das Wissen über die eigene Person, ihre Fähigkeiten, Vorlieben, Eigenschaften, Verhalten, … (Selbstkonzept) und Emotion, also die Bewertung der eigenen Person (Selbstwert)

Unser Selbstkonzept formt sich durch

  • Erfahrungen in Form von Erfolgen und Misserfolgen oder Lob und Tadel

Erfolge stärken das Selbstvertrauen und Misserfolge lassen uns an unseren Fähigkeiten zweifeln

  • Vergleich mit anderen Personen

Die Bewertung der eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften im Vergleich zu anderen.  

  • Soziale Identität und soziale Rollen

Die Zughörigkeit zu einer Gruppe, z.B. `Familie`, `Studenten`, `Vegetarier`, und die soziale Rolle innerhalb dieser Gruppe.

und lässt sich in 3 Bereiche unterteilen, die einer Bewertung unterzogen werden:

  • Körperliches Selbstkonzept (Attraktivität, Fitness)
  • Akademisches Selbstkonzept (Schulbildung, Mathematische und Sprachliche Fähigkeiten)
  • Soziales Selbstkonzept (Familie, Freundschaften)

Aufgrund der Erfahrungen und Erlebnisse, die wir während des Heranwachsens sammeln, bilden wir unser Selbst aus, erlangen Wissen über uns und bewerten dieses.

Selbstkonzept – Eine zentrale Rolle bei der Entwicklung

Wir erfahren, ob die Zugehörigkeit zu einer Gruppe an Bedingungen geknüpft ist, die wir erfüllen müssen und wir bewerten, wie wir im Vergleich mit anderen abschneiden.

Einen großen Einfluss auf unser Selbstkonzept üben unsere Bezugspersonen aus, meist die Eltern, da Kinder sich noch nicht selbst definieren können, benötigen sie Unterstützung bei der Definition ihres Selbstkonzeptes. Bezugspersonen haben damit einen sehr starken Einfluss auf die Bildung des Selbstkonzeptes.

Ein Kind mit einem stabilen Selbstkonzept wird demnach neuen Herausforderungen entgegentreten, versuchen, seine Fähigkeiten zu optimieren und daran zu wachsen.

Bei einem negativen Selbstkonzept traut sich das Kind diese Herausforderung nicht zu und wird in Erwartung eines Misserfolges neue Aufgaben meiden.

Die Problematik eines beschädigten Selbstkonzeptes liegt darin, dass wir beispielsweise gelernt haben, dass wir

  • unseren Fähigkeiten nicht vertrauen können
  • im Vergleich zu anderen schlechter abschneiden
  • keine wichtige Rolle in einer sozialen Gruppe spielen
  • nicht gut genug sind
  • nicht genügen
  • fehlerfrei sein müssen
  • Liebe an Bedingungen geknüpft ist (z.B. Leistung)

Ist ein negatives Selbstkonzept einmal gefestigt, ist ein Umdenken nur schwer zu bewirken.

Haben wir in unserer Kindheit beispielsweise gelernt, dass unsere Leistungen nicht genügen, prägt sich diese Überzeugung ein und wir übernehmen sie bis in unser Erwachsenenalter.

Gefestigt werden diese Überzeugungen dadurch, dass sie immer und immer wieder bestätigt werden, beispielsweise in Form von mangelndem Lob für gute Leistungen oder Herabwürdigung guter Leistungen.

Diese Überzeugungen nennen wir auch Glaubenssätze. Sie sind gefestigte Grundannahmen, nach welchen wir unser Leben ausrichten und denen wir vertrauen, weil sie für uns die Wirklichkeit repräsentieren.

Wenn nun dieser Person versichert wird, dass ihre Leistungen doch genügen, wird sie es nicht glauben, weil tief in ihr die Überzeugung herrscht, „Ich genüge nicht“.

Tipps zur Stärkung des Selbstkonzeptes bei Kindern

1 Positives Feedback geben

Ein Kind braucht positive Rückmeldung in Form von Lob und Anerkennung, wie „Du kannst das gut.“, „Du machst das gut.“

Eine negative Leistungsbeurteilung hingegen kann das Selbstkonzept des Kindes schaden und sogar ein negatives Selbstkonzept weiter festigen.

Wenn das Kind vermittelt bekommt, dass seine Leistung nicht ausreichend oder nicht gut genug ist, nimmt diese Ansicht direkten Einfluss auf sein Selbstbild und Selbstvertrauen.

„Meine Fähigkeiten genügen nicht.“

Stattdessen sollte gutes Verhalten und gute Leistungen gelobt und gewürdigt werden. Das ermöglicht es dem Kind, seinen Fähigkeiten und Eigenschaften zu vertrauen und sie weiter auszubauen (Selbstvertrauen)

  • Ich kann etwas leisten und meine Fähigkeiten genügen

2 Bedingungslose Liebe

Die Liebe, die ein Kind erfährt, darf nicht an Bedingungen geknüpft sein.

Sätze, wie „Dann hat die Mama dich nicht mehr lieb.“ sollte ein Kind niemals zu hören bekommen. Sicherheit innerhalb einer sozialen Gruppe (z.B. Familie) und die darin erfahrene Wertschätzung und Zuneigung darf nicht von den Fähigkeiten des Kindes abhängig gemacht werden.

  • Ich werde geliebt, auch wenn ich etwas falsch mache

3 Misserfolge relativieren

Misserfolge erlebt jeder in seinem Leben. Wichtig ist aber, dass einzelne Misserfolge nicht das Selbstbild beeinflussen. Diese können relativiert werden, indem man auf vergangene Erfolge hinweist, die das Kind stärken und trotz des Misserfolges ein positives Gefühl vermitteln

  • Fehler machen ist in Ordnung

4 Sorgen des Kindes ernst nehmen

 Auch Kinder haben Probleme, die oft für einen Erwachsenen unsinnig oder nicht nachvollziehbar erscheinen. Dennoch gibt es hier etwas, das dem Kind Sorgen bereitet und Bezugspersonen sollten sich die Zeit nehmen, um darüber zu sprechen. Selbst wenn in diesem Moment keine Zeit ist, kann ein Termin mit dem Kind vereinbart werden, um sich seine Sorgen und Ängste anzuhören. Durch das Zuhören und Ernstnehmen haben Eltern und Bezugspersonen einen direkten Einfluss auf das Selbstkonzept des Kindes. Es signalisiert, dass das Kind bei Sorgen, Problemen und Ängsten ein offenes Ohr findet.

  • Ich und meine Probleme werden ernst genommen

5 Ermutigungen

Wenn das Kind sich neuen Herausforderungen stellen und offen über Probleme sprechen soll, braucht es manchmal einen kleinen „Schubs“ in die richtige Richtung.
Kinder sollten ermutigt werden, Neues und Unbekanntes zu erforschen und auszuprobieren, an Fehlern zu wachsen und mit Misserfolgen fertig zu werden. Ebenso aber über ihre Sorgen und Ängste zu sprechen. Dadurch erlangen sie Selbstvertrauen und steigern ihr Selbstwertgefühl und Sicherheitsempfinden.

  • Ich kann das schaffen
  • Ich darf auch Ängste und Sorgen haben

Übungen zur Stärkung des Selbstkonzeptes bei Kindern

1 Stärken im Namen des Kindes

Das Kind soll seinen Namen aufschreiben und zu jedem einzelnen Buchstaben eine Eigenschaft an sich finden, die es besonders gut kann oder die es von anderen Kindern abhebt.

Beispiel Lena: ist lustig, hat viel Energie, ist nett, mag Abenteuer

Auch die Eltern oder andere Familienmitglieder können mithelfen und Eigenschaften des Kindes mit Hilfe der Buchstaben in seinem Namen definieren

2 Das Tier in Dir

Das Kind soll sich überlegen, wenn es ein Tier wäre, welches Tier das sein könnte.

Stell dir vor, du bist ein Tier. Welches Tier wärst du dann?

Was sind die besonderen Eigenschaften dieses Tieres? Was kann dieses Tier besonders gut?

Dieses Spiel kann auch auf weitere Familienmitglieder erweitert werden, z.B. Geschwister, Mama, Papa, …

Weitere tolle Ideen für Spiele, die das Selbstkonzept des Kindes stärken können, findest du hier:

https://www.hallo-eltern.de/kind/spiele-starke-kinder/

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