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Der Zug des Lebens
Die Kurzgeschichte vom Zug des Lebens

Perfektionismus – ein Kampf gegen sich selbst

Perfektionismus

Perfektionismus

Alles muss perfekt sein, selbst wenn es dich all deine Energie kostet. Halbfertig ist für dich keine Option? Halbherzig an eine Sache heranzugehen kommt für dich nicht in Frage? Streben nach Vollkommenheit und übertriebene Fehlervermeidung kommen dir bekannt vor? Wenn du dich in diesen Aussagen wiedererkennst, bist du wahrscheinlich ein Perfektionist. In diesem Beitrag möchte ich dir aufzeigen, wie selbstschädigend dieser Einstellung sein kann und gleichzeitig Wege vorschlagen, um dich aus der Perfektionismus-Falle zu befreien. Sage deinem inneren Antreiber den Kampf an!

„Perfekt ist der größte Makel – wer alles ist, kann nichts mehr werden“

Maik Alwin

 

Typische Anzeichen von Perfektionismus

 

 

 

  • Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle:

Alles wird doppelt und dreifach überprüft. Darauf, ob ich selbst oder andere Fehler gemacht haben, ob alle Richtlinien eingehalten wurden und ob etwas vergessen wurde. Sicherheitshalber lassen Perfektionisten auch gerne nochmal von anderen Personen gegenprüfen, ob wirklich alles richtig und vollständig ist.

 

  • Verbessern von anderen

Sehr gerne weisen Perfektionisten andere auf ihre Fehler hin – das kommt nicht immer gut an. Sie achten auf jedes Detail. Und weil sie sich selbst derart auf Fehlersuche trainiert haben, entgeht ihnen nichts. Nur leider nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei anderen. Und das kann anderen Personen gehörig auf den Wecker gehen, wenn alles was sie sagen oder tun auf die Goldwaage gelegt wird.

 

  • Unfähigkeit zu delegieren

Und weil es gefährlich ist, eine Aufgabe jemandem zu übertragen, der eventuell einen Fehler macht, erledigt der Perfektionist seine Angelegenheiten lieber selbst.

„Wenn du willst, dass es richtiggemacht wird, musst du es selbst machen.“

 

  • Entscheidungsschwierigkeiten

Die Wahl muss perfekt sein, also ist es besser, sich lange und ausgiebig Gedanken zu machen, bevor man eine falsche Entscheidung trifft. Lieber etwas zu lange darüber nachgedacht, als später die Fehler ausbügeln zu müssen.

 

  • Kein Ende in Sicht

Es gibt immer etwas zu optimieren und zu verbessern. Perfektionisten wiederholen häufig Abläufe, überarbeiten gerne Dinge, die längst fertiggestellt sind, um sicherzustellen, dass alle Fehler ausgebügelt und alle Makel entfernt wurden. Müssten sie eine Aufgabe nicht irgendwann zu Ende bringen, würden sie daraus wahrscheinlich eine Lebensaufgabe machen.

 

 

 

Vorteile des Perfektionismus

Perfektionismus muss uns nicht notgedrungen schaden. Im Gegenteil. Er motiviert uns zu Höchstleistungen, treibt uns an, lässt uns sorgfältiger arbeiten und fordert uns. Durch Perfektionismus erreicht unsere Arbeit die höchstmögliche Qualität, weil wir uns mit dem gesamten Umfang eines Themas auseinandersetzten. Nebenbei lernen wir unglaublich viel, wenn wir uns nicht nur auf den Kern der Aufgabe konzentrieren, sondern über den Tellerrand blicken und uns bis ins Detail, auch mit den Randbereichen, auseinandersetzen.

 
Sucht nach Anerkennung im Netz

Die Schattenseiten des Perfektionismus

„Die Krankheit unserer Zeit ist der Perfektionismus“

Konrad Adenauer

Ein Hauch von Perfektionismus kann sicherlich nicht schaden, denn er bringt uns einige Vorteile und auch einen Vorsprung gegenüber anderen.

Was aber, wenn die Erwartungen an unsere Leistung zu groß sind, wenn wir nicht mehr erkennen, wo die Grenzen liegen und uns verlaufen im Detail?

Ein Labyrinth aus dem es kein Entkommen gibt?

Alles ist in einem gewissen Rahmen gut und nützlich, solange wir nicht körperlich oder psychisch darunter leiden.

 

Wann wird er Perfektionismus zum Problem?

Problematisch wird es dann, wenn wir…

… unseren Fokus nur noch auf Fehler legen. Auf der Suche nach der Sache, die wir oder andere falsch gemacht haben, sehen wir nur noch die Misserfolge. Wir werden blind für das, was wir eigentlich geleistet haben und quälen uns damit, dass wir keine perfekte Leistung erbracht haben.

… wir uns über eine richtig gute (vielleicht perfekte) Sache nicht mehr freuen können, weil Perfektion als Selbstverständlichkeit gilt. Für alles, was wir nicht perfekt gemacht haben, bekommen wir den Stempel „Versager“ und das, was vielleicht tatsächlich perfekt war, ist gerade gut genug. Freude über erachte Leistungen ist nur sehr schwer möglich.

… wenn der Druck, den wir uns selbst machen immer mehr wächst. Wir fordern von uns selbst das Höchstmaß, auch dann wenn es nicht gefordert wird. Sich selbst an die körperlichen und seelischen Grenzen zu bringen, ist die Folge. Dies fördert enormen Stress, körperliche Anspannung, Selbstzweifel, Versagensängste, Ärger und ein negatives Selbstbild.

Im Extremfall: Burnout, Depression, Angststörungen oder der Griff zu Suchtmitteln.

 

 

 

Welche inneren Antreiber stecken hinter Perfektionismus?

Meist berichten Betroffene von folgenden Antreibern:

  • Perfektion wird gleichgesetzt mit Liebe. Perfektionisten glauben, dass sie nur geliebt werden und Anerkennung bekommen, wenn sie perfekt sind
  • Angst vor Fehlern und dem Versagen. Nicht-Perfektion wird gleichgestellt mit Misserfolg und Minderwertigkeit. Betroffene begrenzen sich häufig auf dieses Schwarz-Weiß-Denken, denn es gibt nur perfekt oder miserabel – Raum dazwischen ist nicht vorhanden.
  • Ein geringes Selbstwertgefühl treibt sie an, immer alles aus sich herauszuholen und lieber 120%, anstatt nur 100% zu geben. Sich selbst besser zu fühlen, mehr Selbstliebe zu empfinden und sich selbst zu akzeptieren, ist das eigentliche Ziel des Perfektionismus.
  • Der Wunsch nach Beachtung oder das Vermeiden von Scham. Nicht selten haben Perfektionisten eine harte Schale, aber einen weichen, sensiblen Kern. Sie wirken nach außen taff, vielleicht auch unnahbar, aber innerlich sehnen sie sich nach Lob, Anerkennung, Bestätigung und Beachtung. Oft werden sie auch von der Angst begleitet, sich für ihre Leistung schämen zu müssen oder geschimpft und getadelt zu werden, wenn sie weniger als perfekt sind.
 

 

Selbstmanagement

Wege aus der Perfektion

„Habe keine Angst vor der Perfektion, denn du wirst sie nie erreichen.“

Salvador Dali

Zwischengedanken:

Überlege dir einmal, was auf der Welt denn eigentlich perfekt ist.

Nichts. Nicht die Natur, nicht die Menschen, nicht die Wirtschaft, nicht die Politik, …

Nichts auf unserer Welt ist perfekt.

Kein Gesicht ist symmetrisch, kein Baum ist 100% gleichmäßig geformt und niemand kann immer alles richtigmachen.

All die wunderschönen Dinge auf unserer Erde, sind alle nicht perfekt und genau das ist es, was ihre Schönheit ausmacht.

Denn, die Perfektion liegt gerade darin, dass etwas nicht perfekt ist.

Keine Freundschaft, Partnerschaft oder Familie ist vollkommen. Und trotzdem lieben wir diese Menschen.

 

 
 
Risse im Boden

Stell dir dieses Bild ohne Risse vor.

Ohne die Risse im Boden wäre es nur halb so schön

 
 
 

 

 

Nun stellt sich doch unweigerlich die Frage, wenn alles um uns herum nicht perfekt ist und dennoch so wunderbar, warum hast du den Anspruch an dich selbst perfekt zu sein, wenn das niemand – nicht einmal Mutter Natur – leisten kann.

Du bist nicht perfekt und du wirst es nie sein, denn niemand kann immer 100% geben und niemand kann ALLES richtigmachen.

Und genau das ist es, was Schönheit und Liebe ausmachen.

Wir lieben jemanden nicht, weil er perfekt ist. Wir lieben, obwohl etwas nicht perfekt ist (oder genau deshalb?)

Macht es einen Menschen nicht viel sympathischer und liebenswerter, wenn er nicht immer alles richtigmacht?

Würden wir uns von perfekten Menschen nicht eher unter Druck gesetzt fühlen und sie vielleicht sogar meiden?

 

Schönheit und Perfektion haben nichts gemeinsam

 

Perfektionismus ist die ausgefeilte Form der Selbstfesselung – Exzellenz ist einen Weg zu finden, dort wieder herauszukommen.

Unbekannt

 
 
 
gelassener reagieren, Gelassenheit trainieren

#1 Tritt einen Schritt zurück

Gewinne etwas Abstand zu dem, was du gerade tust und betrachte dein Projekt von außen.

Welches Ziel verfolgst du damit? Wann ist das Ziel erreicht?

Hast du dich im Detail verloren?

100% Perfektion sind nicht erreichbar, also wie viel willst du noch investieren?

Überlege dir, wann du sagen kannst, „Du hast gute Arbeit geleistet!“

Definiere, wann deine Aufgabe den Status „gut genug“ erreicht hat. Sonst wird der Perfektionist in dir nämlich niemals aufgeben…

 

#2 Der / Die Beste sein

Du kannst niemals immer der/die Beste sein.

Also warum quälst du dich und versuchst es immer und immer wieder? Natürlich können wir in einer Schulaufgabe oder Klausur mal Klassenbeste(r) sein, aber bestimmt nicht immer.

Im Job kannst du alles geben und ich garantiere dir, irgendwann wird auch dir ein Fehler unterlaufen.

Warum also alles geben und sich völlig verausgaben für etwas, das du nie erreichen wirst?

Selbst wenn du es schaffen würdest, in deinem Umfeld immer die Nummer 1 zu sein. Es wird immer jemanden geben, der besser ist, als du…

Uns anstrengen und unsere Ziele verfolgen, um seine Träume zu realisieren, sollten wir natürlich tun.

Aber wenn du realistisch über die Sache nachdenkst, stellt sich doch unweigerlich die Frage:

„Braucht es dazu 100%? Oder genügen auch 80%?“

Wie viel ist dir wirklich wert eine 0-Fehler-Quote zu erreichen?

Ist das Streben nach 100% es dir wert deine körperliche und psychische Gesundheit aufs Spiel zu setzten?

 

#3 den inneren Monolog nach außen tragen

Sprich mit deinem Umfeld darüber, was dich gerade beschäftigt.

Vielleicht merkst du, dass du dich wieder einmal in Kleinigkeiten verzettelst.

Oder du erkennst, dass du in deinem Projekt nicht vorwärtskommst, weil du dich zu sehr mit Randthemen beschäftigst, die wertvolle Zeit fressen.

Hier kommt schnell Panik auf, wenn Gefahr droht zum geplanten Termin nicht fertig zu sein.

Sprich mit dir nahestehenden Personen über dein Problem. Bitte sie sich dein Projekt anzusehen. Erzähle von deinem Dilemma und den Gedanken, die dich quälen.

Erläutere deine Situation und bitte um eine neutrale Meinung dazu.

Sehr oft sehen Außenstehende das Ganze nämlich viel gelassener und können dich aus dem Kreislauf herausholen.

 – alles muss perfekt sein – ich verliere mich im Detail – ich habe keine Zeit mehr –  ich verpasse der Fertigstellungstermin – ich habe keine Zeit für andere Dinge –

 

#4 Plane Fehler von vornherein mit ein

Versuche deinen Anspruch von 100% auf 80% herunterzuschrauben. Toleriere, dass hier und da etwas nicht 100%ig korrekt ist und erlaube dir auch etwas falsch zu machen.

Fehler passieren und einen Fehler zu machen ist keine Schande.

Etwas falsch zu machen heißt nicht, dass du versagt hast. Im Gegenteil. Ein Fehler bedeutet nicht, dass du gescheitert bist.

Es bedeutet lediglich, dass etwas nicht komplett richtig war. Na und? Was passiert jetzt?

Fehler bieten Möglichkeiten. Sie erlauben dir zu lernen, zu wachsen und dich weiterzuentwickeln.

Wenn du einen Fehler von vornherein einplanst, räumst du dir damit die Freiheit ein, nicht perfekt zu sein.

Dieser Spielraum erlaubt es dir, nicht Vollgas geben zu müssen und dich nicht völlig auszupowern.

Fehler zu tolerieren kann dir ein Stück Freiheit geben und können den Druck, den du dir selbst machst etwas minimieren.

 

#5 Räume mit deinen inneren Antreibern auf

Perfektionismus kommt nicht von irgendwo her, sondern ist tief in uns verankert.

Grund dafür sind unser innerer Antreiber, der uns sagt: „Du musst perfekt sein.“

Der Ursprung liegt meist in der Kindheit oder zumindest weit zurück und oft erinnern wir uns gar nicht mehr, wann wir angefangen haben, perfekt sein zu wollen.

Die häufigsten Gründe sind, dass wir irgendwann gelernt haben, dass, nur wenn wir perfekt sind, wir etwas bekommen. Das kann beispielsweise Liebe, Anerkennung oder Lob sein.

Aber auch, dass wir etwas vermeiden, wie Schimpfe, Tadel oder Scham.

Perfektionisten haben meist die Grundüberzeugung, dass, nur wenn sie alles richtig machen, auch liebenswert und wertvoll zu sein.

DAS IST BLÖDSIN!!

Vielleicht merkst du das gerade selbst!?!

Du wirst nicht geliebt, weil du perfekt bist und du bist nicht wertvoll, weil du makellos bist.

Liebe, Vertrauen, Zuneigung und Anerkennung haben nichts – gar nichts – mit Perfektion zu tun.

 

Drehe doch den Spieß um und überlege, ob die Menschen und Dinge die du liebst immer perfekt sind?

 

#6 Halte dir deinen Perfektionismus immer wieder selbst vor Augen

Sage dir immer wieder selbst:

„Ich muss perfekt sein, obwohl das unmöglich ist!“,

„Auch, wenn das niemals zu schaffen ist, darf ich keine Fehler machen.“

„Ich muss immer der/die Beste sein, was übernatürliche Kräfte abverlangen würde!“,

„Alles richtig zu machen ist mein unerreichbares Ziel.“

 

So lernst du zu erkennen, dass dein Vorhaben schlichtweg unmöglich zu realisieren ist. Du kannst nicht immer perfekt sein, alles richtigmachen, der/die Beste sein.

Wir alle machen Fehler, uns allen passieren Pannen und wir sind niemals immer Beste/r. Auch du nicht.

In der Psychologie wird diese Methode gerne angewendet, um sich selbst vor Augen zu führen, wie selbstschädigend und unmöglich die an sich selbst gestellten Anforderungen sind.

 

#7 Was würdest du einem Perfektionisten raten

Stelle dir vor, jemand der dir nahesteht, erzählt dir von genau den Problemen, die auch dich plagen.

Diese Person ist vielleicht am Ende und weiss keinen Ausweg, weil sie sich ständig verausgabt und dennoch keine 100% erreichen kann. Was sagst du dieser Person?

 

 
 
Stress Burnout

Fazit:

Setzte niemals deine Leistung gleich mit deinem Wert.

Dein Wert, als Mensch, kann nicht durch deine Leistung oder dein Aussehen gemindert werden.

 

Achte und höre auf deinen Körper und das, was dir guttut oder eben nicht. Wenn du darauf nicht hörst, weist dich dein Körper irgendwann in die Schranken. Er wird einfach abschalten und dir körperliche oder psychische Signale senden. Spätestens dann, wirst du nicht mehr in der Lage sein, 100% zu geben. Überlege dir gut, ob du dir das antun willst oder vorzeitig die Notbremse ziehst. Nimm dir hin und wieder eine Auszeit und erlaube dir einen Gang herunter zu schalten.

 

Schönheit und Perfektion haben nichts gemeinsam

Kein Mensch ist perfekt. Wir alle haben Makel und das ist es, was einen Menschen doch liebenswert und einzigartig macht.

 

Sympathie und Perfektion haben nichts gemeinsam

Du wirst nicht mehr oder weniger gemocht, wenn du perfekt bist. Die Liebe zu einem Menschen empfinden wir nicht, weil er perfekt ist, sondern wegen seines Charakters, Humors, Einstellungen, Eigenschaften usw. All diese Dinge sind aber nie perfekt.

 

Ich wünsche dir einen nicht ganz perfekten Tag 😉

 

 

 
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