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Die Wahrheit über Verletzlichkeit
[Teil 1] Die Wahrheit über Verletzlichkeit

Caro im Chaos – Geburtstagsvorbereitung

Caro im Chaos

Clara versinkt im Chaos

Tante Ella feiert heute ihren 70. Geburtstag und hat die komplette, nervige Verwandtschaft zum Gartenfest eingeladen. Ich sitze Samstagmorgen um 8 Uhr in der Küche, klammere mich todmüde an meine Kaffeetasse und lasse in Gedanken das Chaos der vergangenen Tage Revue passieren.

 

Mittwochmorgen hetze ich in der Arbeit genervt von einem Meeting zurück in mein Büro. Das Handy auf meinem Schreibtisch blinkt und ich werfe einen kurzen Blick darauf.

Ein verpasster Anruf von Tante Ella.

Gut, bis zur nächsten Telefonkonferenz habe ich noch etwa 10 Minuten, also rufe ich sie kurz zurück.

„Hallo Ella, hier ist Caro. Was gibt’s denn?“ frage ich ins Telefon.

„Du hast doch mich angerufen?!?“, antwortet eine leicht verwirrte Stimme.

„Ja, weil du mich zuvor angerufen hast. Daher rufe ich dich jetzt zurück.“, erkläre ich und verdrehen dabei die Augen.

„Ach, ja genau. Ich versuche schon den ganzen Tag dich zu erreichen.“, berichtet mir Ella.

„Es ist erst 10.30 Uhr und du hast einmal angerufen.“, antworte ich etwas genervt.

„Und du kannst dir nicht einmal 5 Minuten Zeit nehmen, um mit deiner Tante zu sprechen. Das finde ich schon ein bisschen schade.“, sagt sie etwas beleidigt.

„Ich bin in der Arbeit und war gerade in einer Besprechung. Da kann ich nicht ans Telefon gehen.“ versuche ich sie zu beschwichtigen.

„Naja, so ist das eben mit den jungen Leuten, um keine Ausrede verlegen. Weshalb ich dich also angerufen habe: Du weisst ja, dass ich am Samstag Geburtstag habe und in meinem Garten eine kleine Feier veranstalte.“

„Ups! Ne, das hatte ich wohl vergessen.“, denke ich, lasse sie aber, ohne einen Kommentar abzugeben, fortfahren.

„Ich dachte, du könntest mir bestimmt ein bisschen bei den Vorbereitungen helfen. Da du ja noch immer keine Kinder hast, wirst du bestimmt Zeit haben. Oder etwa nicht?“

Klar, Leute ohne Kinder haben immer unglaublich viel Zeit. Schließlich müssen sie ihre Termine und Aktivitäten nur um eine 40-Stunden-Arbeitswoche planen. Aber egal. „Ja, ich kann dir gerne ein bisschen unter die Arme greifen. Was brauchst du denn?“, antworte ich auf ihre rhetorische Frage.

„Nun, eigentlich wollte ich beim Metzger hier um die Ecke das Abendessen bestellen, die bieten ja Catering an, wie du weisst. Leider habe ich jetzt gesehen, dass die Ferien machen. Komisch, oder? Dass die sich das leisten können, einfach den Laden zu schließen… Naja, die werden schon wissen, was sie tun. Du müsstest dann also bitte bei einem Catering anrufen und Abendessen für 17.30 Uhr bestellen. Außerdem brauche ich noch weiße Lilien. Die möchte ich auf der Terrasse in Vasen stellen. Das wird hübsch aussehen, meinst du nicht? Dann brauchen wir noch Servietten und etwas Tischdekoration. Am besten rosafarben, wie mein Kaffeeservice. Wir erwarten ungefähr 20 Gäste. Vielleicht hättest du auch Lust noch ein oder zwei Kuchen zu backen? Ich backe auch einen Kuchen, aber mehr schaffe ich in meinem Alter nicht mehr.“, listet sie meine To-Do’s auf.

„Hast du denn überhaupt schon etwas organisiert?“, platzt es aus mir heraus.

„Nun, ich habe schließlich die Gäste eingeladen und das was es jetzt noch zu erledigen gibt, ist wirklich nicht mehr viel. Das schaffen wir schon.“, versucht mich Tante Ella zu überzeugen.

„Wir? So wie es scheint, organisiere ich die Geburtstagsparty alleine.“, überlege ich fassungslos.

„Okay, Tante Ella, ich muss jetzt weiterarbeiten. Ich rufe dich wieder an.“, verabschiede ich mich.

 

Meine Mittagspause verbringe ich damit, alle Caterer in der näheren Umgebung ab zu telefonieren, die deutsche Küche anbieten. Bei Tante Ella kommen nämlich nur deutsche Gerichte auf den Tisch. „Du immer mit deinem exotischen essen. Davon wirst du dir irgendwann noch was holen.“, erinnere ich mich an ihre Worte, als ich ihr erzählte, dass ich gerne Pizza esse. Jedes Gericht, in dessen Bezeichnung nicht irgendwas mit Braten oder Klos vorkommt, gilt als ungenießbar.

Eine Stunde und 30 Telefonate später, in welchen ich entweder bemitleidet oder ausgelacht wurde, fand ich endlich einen Caterer, der ganz spontan einen freien Termin hat.

Soweit so gut.

 

Als ich um 17 Uhr pünktlich Feierabend machen will und gerade meine Tasche schnappe, steht plötzlich Trübe-Tasse-Antje (meine Chefin) im Raum.

„Kannst du mir noch eben die Umsatzzahlen für das Meeting morgen mit dem globalen Finanzmanager schicken? Ich brauche die Zahlen aus dem letzten Jahr und diesem Jahr. Die Umsatzentwicklung pro Monat in Prozent und jeden Monat verglichen mit dem Vorjahr. Am besten alles graphisch dargestellt.“, befiehlt sie.

„Ich muss jetzt leider los. Bin noch verabredet.“ Sie dreht sich um und ist schneller weg, als ich reagieren kann.

Da setze mich genervt zurück an meinem Schreibtisch und fahre meinen PC hoch.

Nach einer gefühlten Ewigkeit und 9.999 Updates kann ich mich nun endlich an die Arbeit machen.

Um 19 Uhr klicke ich mit einem tiefen Seufzer auf den Senden-Knopf, um die Dateien per Email an Spargelgesicht-Antje zu schicken.

Weitere Erledigungen für die Geburtstagsfete bekomme ich heute nicht mehr auf die Kette.

„Das mit den Blumen erledige ich schnell morgen vor der Arbeit und Servietten kann ich auch Freitag noch besorgen.“, denke ich und fahre nach Hause.

 

 

Donnerstag.

Wie immer, wenn ich vor der Arbeit noch etwas erledigen will, höre ich den Wecker nicht und krabble viel zu spät aus dem Bett. Also schmeiße ich mir nur eben die Zahnbürste ins Gesicht, bändige etwas die Krausen auf meinem Kopf und gehe, so schnell mich meine müden Beine tragen können zur Arbeit.

In der Mittagspause starte ich einen zweiten Anlauf. Punkt 12 springe ich in mein Auto und flitze in Richtung Gartencenter.

Dort angekommen stürme ich direkt auf die nächste Verkäuferin zu und schreie gestresst: „Haben Sie Lilien?“.

Ein als Mensch verkleidetes Faultier dreht sich in einer derart langsamen Geschwindigkeit zu mir um, sodass ich kurz überlegen muss, ob es sich überhaupt bewegt.

„Bitte folgen Sie mir.“, murmelt das abgemagerte Verkäuferin.

Hinter einer kleinen, viel zu dünnen Frau, schlendere ich durch das Geschäft.

Bei ihrem Anblick habe ich das Gefühl, dass mein Hintern gerade noch ein Stückchen breiter geworden ist.

In meiner Vorstellung macht sich das Bild von Timon und Pumba breit, die Hakuna-Matata singend durch den Dschungel tanzen. Natürlich im Slow-Motion-Modus. Timon bleibt stehen und ich remple ihn fast über den Haufen. Lilien, freue ich mich. Aber keine weißen.

„Ich brauche weiße Linien. Das habe ich ihnen noch gesagt.“, fahre ich die magersüchtige Angestellte an.

„Das ist alles was wir haben. Entweder kaufen sie welche oder sie lassen es bleiben.“, entgegnet sie mir mit einem schläfrigen, emotionslosen Blick.

„Dann lasse ich es bleiben, Bohnenstange!“, antworte ich aggressiv und stürme aus dem Laden.

 

Zurück in der Arbeit wird es nicht besser.

Diesen Bericht und jenen Report noch vorbereiten. Hier und da noch ein paar Zahlen aufhübschen.

Zum Abschluss noch ein Meeting mit Chef-Labertasche-Antje, Amöbenhirn-Karl und Gesichtsgretsche-Ingrid. Heute durfte ich dann auch die neue Kollegin Nadine aus der Entwicklung kennenlernen. Wie sich herausstelle, ist sie leider auch nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte. Passt also prima ins Team.

Wie so häufig gehen wir letztendlich alle ohne ein konkretes Ziel, eine definierte Aufgabe oder einer sinnvollen Lösung aus der Besprechung.

Ich beende das Meeting für mich mit dem Gedanken: „Das war ja wieder sinnvoll, wie ein Sandkasten in der Sahara.“

Für heute reicht’s mir! Den Tag lasse ich bei einem Glas Wein auf der Terrasse ausklingen.

 

Freitag mache ich schon um 15 Uhr Feierabend, um noch die restlichen Besorgungen für Ella zu machen.

Glücklicherweise konnte ich sie davon überzeugen, dass ich so kurzfristig keine weißen Lilien bekomme und nun rosafarbene aus dem Gartencenter holen darf.

Die rosafarbenen Servietten sind aber ein Muss.

Meine To-Do-Liste für den Nachmittag:

– Servietten und Tischdeko besorgen

– Termin im Nagelstudio um 16 Uhr

– Lilien im Gartencenter holen

– Eine Flasche Wein, um die Strapazen der vergangenen Tage zu vergessen

Der Verkehr ist die Hölle! So fahre ich hupend und mein gesamtes Schimpfwörter-Repertoire brüllend im Schneckentempo zum Kaufhaus. Auf dem Parkplatz sehe ich eine Parklücke und rase darauf zu. Kurz bevor ich einlenken kann, bemerke ich einen alten Mercedes mit einem gutbetagten Herrn am Steuer, der das gleiche Ziel verfolgt.

Ich hupe, lasse das Fenster herunter und kreische hinaus: „Ey! Platz da Opa!“. Das Rennen habe ich gewonnen! Die Parklücke ist Mein!

Ich stürme an dem verdutzen, kopfschüttelnden Mercedes-Fahrer vorbei ins Kaufhaus.

Schnell schnappe ich einige Kunststräucher und Kerzen für die Tischdekoration, außerdem noch eine Rolle Papiertischdecke und hübsche Untersetzer für Getränke. Sicherheitshalber nehme ich zwei Flaschen Wein, anstatt nur einer, denn man weiß ja nie.

„Hätte ich vielleicht doch einen Einkaufswagen gebraucht?“, geht es mir durch den Kopf, als ich vollgepackt, wie ein Esel, das Regal mit Servietten ansteuere.

Ich erkenne dort angekommen die letzte Packung rosafarbener Servietten. Ein 50er-Pack. Prima, habe ich ein Glück.

Noch bevor ich danach greifen kann, sehe ich eine kleine Kinderhand, die vor meiner Nase nach der Servietten-Packung grabscht.

„Diese hier will ich, Mama, für meine Prinzessinnen-Party.“, verkündete das kleine Mädchen begeistert.

„Das sind meine!“, schreie ich das Kind an und reise ihr die Servietten aus der Hand.

Dieses beginnt sogleich in ohrenbetäubender Lautstärke zu schreien und zu weinen.

Ein paar Meter entfernt sehe ich eine wütende Mutter mit hochrotem Kopf, die auf mich, wie ein Stier auf ein rotes Tuch, zustürmt.

Schnell drehe ich mich um und ergreife die Flucht. „Blöde Ziege!“, brüllt die Stier-Mutter hinter mir her, als ich, um mein Leben fürchtend, zur Kasse renne.

Geschafft. Jetzt nur noch ins Nagelstudio, dann schnell ins Gartencenter und ich habe auch diesen Tag überstanden.

 

Im Nagelstudio angekommen, muss ich noch ein paar Minuten warten. Ich nehme Platz und inspiziere die Kundschaft. Dabei sticht mir eine junge Frau ins Auge. Anfang 20, eine schlanke, sportliche Figur und wunderschöne lange lockige Haare, die ihr wie eine Löwenmähne über die Schultern fallen. Ich selbst habe eine eher stämmige Figur und meine Kopfbedeckung gleicht mehr einem Strohhaufen, als einer Lockenmähne. Die Spiegel an der Wand neben mir, bestätigen nicht nur das.

2 Tage ohne Haare waschen und das Fett-Stroh-Gemisch auf meinem Kopf gleicht einem vermatschten Kuhstall.

Ich richte den Blick, weg von meinem Spiegelbild, wieder auf die schöne Brünette und beobachte, wie sie ihre Nagelspitzen in verschiedenen dezenten Farben lackieren lässt. Stylish!

Ich, jugendliche 35, möchte auch bunte Fingernägel, wie die hübsche, junge Brünette.

Endlich bin ich an der Reihe.

„Das gleiche wie sie dort.“, weise ich die Nageldesignerin an und deute dabei auf die Frau mit den bunten Fingernägeln.

Ihr etwas skeptischer Blick bringt mich aber nicht von meiner Illusion ab, dass bunte Fingernägel repräsentativ für Schönheit und Jugendlichkeit stehen.

 

Um 17.30 Uhr mache ich mich auf den Weg ins Gartencenter.

Während der Fahrt betrachte ich meine kunstvoll lackierten Fingernägel, die irgendwie etwas kräftiger zu leuchten scheinen, als die dezent lackierten Nägel der jungen Frau.

Egal, ich fühle mich jung, sexy und mega trendy.

Als ich das Geschäft betrete, sehe ich Timon an mir vorbeispazieren.

Die Verkäuferin, die ich gestern als Bohnenstange beschimpfte. Schnell drehe ich mich um und verstecke mich hinter einer Pflanze.

Als die Luft rein ist, husche ich schnell geduckt zwischen den Palmen hindurch und schnappe mir ein paar rosafarbene Lilien. In leicht geduckter Haltung stehe ich schließlich zwischen den Regalen an der Kasse.

Mission erfüllt. Von der knochigen Angestellten unbemerkt, verlassen ich das Geschäft.

 

Endlich zu Hause angekommen, nehme ich nur den Wein mit ins Haus, schlüpfe in eine Jogginghose und mache es mir auf der Terrasse gemütlich.

Nach ein paar Minuten stößt mein Mann, ebenfalls mit einem Weinglas bewaffnet, dazu.

„Oh, neue Fingernägel?“, beginnt er das Gespräch.

„Ja, schick, nicht?“, antworte ich mit einem breiten Grinsen.

Nachdem er ohne zu antworten nachdenklich meine Hände begutachtet, erkläre ich: „Das ist jetzt modern.“

„Erinnert mich irgendwie an die Situation vor ein paar Wochen, als du deine Periode hattest und völlig verheult, die Schminke über’s gesamte Gesicht verteilt, heimgekommen bist.“, berichtet er herzhaft lachend.

Mit einem breiten Grinsen streckt mir sein Weinglas entgegen und verkündet freudig: „Auf die Farbenvielfalt!“

 

Amüsiert hebe ich ebenfalls mein Glas.

„Na dann, Prost!“

 

 

 
 
 
eine humorvolle Kurzgeschichte über Caro, die bei der Geburtstagsvorbereitung für Tante Ella verzweifelt versucht nicht die Nerven zu verlieren.

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