Wir alle kennen Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten, die in festgefahrenen Streitereien enden. Keiner möchte von seinem Standpunkt abweichen, beharrt auf seinem Recht und im schlimmsten Fall spricht man tage- oder wochenlang nicht miteinander. Gelassenheit heisst hier das Schlüsselwort!

Auf diesem Schlachtfeld von Emotionen kann es letztendlich nur Verlierer geben.

„Wenn jeder vor seiner eigenen Tür kehren würde, wäre die Welt ein bisschen sauberer!“

Treten wir erst einmal ein Stück zurück und klären die Fakten:

Wir alle werden unser Leben lang geprägt durch unsere Umwelt, also durch Menschen, Ereignisse, Verluste, glückliche, aber auch verletzende, beängstigende und entäuschende Erlebnisse. Von klein auf machen wir Erfahrungen. Wir Lernen, was sich gehört und was nicht, was in unserer Gesellschaft als <richtig> und <falsch> oder als <gut> und <böse> angesehen wird.

Mit dem Start ins Leben bekommen wir einen Teil unserer Persönlichkeit mitgeliefert, die den Grundstein für unseren späteren Charakter darstellt. Aber sie passt sich auch an, verändert sich und wird geprägt durch das, was wir erleben, wahrnehmen und empfinden.

Das Resultat dieser Zutaten ist unser Verhalten, unsere Einstellungen und unsere Reaktionen.  

Was bedeutet das nun?

Wir sind alle nur Opfer der Umstände!

Wir ärgern uns beispielsweise, weil jemand etwas sagt, was uns angreift.

Wir sind vielleicht enttäuscht, weil jemand etwas getan hat, was uns verletzt.

Emotionen, verursacht durch das, was unsere Erfahrung uns gelehrt hat.

Gedanken, die uns sagen, dass diese Äußerung böswillig war, weil wir sie aufgrund vergangener Erlebnisse, als solche interpretieren.

Wir reagieren entsprechend dem, was wir gelernt und erfahren haben. So kann ein Kommentar lustig gemeint sein, aber beim Empfänger völlig falsch ankommen, weil dieser damit Erfahrungen, Emotionen und Erlebnisse verbindet, die in diesem Moment wieder hervorgerufen werden und diesen Kommentar als etwas „böses“ bewerten.

Hier habe ich dir ein paar Tipps zusammengestellt, wie du künftig etwas gelassener auf dein Umfeld reagieren kannst:

#1 Blicke hin und wieder über deinen Tellerrand hinaus

Wenn wir uns von Zeit zu Zeit in Erinnerung rufen, dass diese Person auch nur ein Opfer ihrer Umstände ist, können wir vielleicht über das ein oder andere Ärgernis hinwegsehen.

Wenn wir nämlich alle die Welt nur durch unsere eigene Brille sehen, führt das unweigerlich zu Reibungen, die eine hitzige Stimmung nach sich ziehen können.

Auch dein Gegenüber hat seine persönlichen Erfahrungen, Erlebnisse und schmerzlichen Ereignisse durchleben müssen, die ihn letztendlich zu der Persönlichkeit machen, die er heute ist.

Nichts ist also per se gut oder böse, schön oder hässlich, richtig oder falsch, sondern Alles hängt direkt damit zusammen, welches Sichtfeld uns die Brille, die wir tragen, eröffnet.

Wir neigen dazu, alles durch unser eingeschränktes Sichtfeld, begrenzt durch unseren Charakter, unsere Persönlichkeit und Umwelt zu sehen. Wenn wir aber einmal den Blick hierüber hinaus erweitern und uns bewusstmachen, dass jede Person ein anderes Sichtfeld hat, fällt es uns leichter zu verstehen, dass diese Person eben nicht so agiert, wie wir es aufgrund unserer Erfahrungen erwarten oder wünschen.

Jeder sieht die Welt durch eine etwas andere Brille.

#2 Umstände lassen sich nicht ändern

Anstatt Umstände hinzunehmen, an denen wir sowieso nichts ändern können, quälen wir uns selbst, indem wir uns darüber ärgern, enttäuscht sind oder sogar aggressiv werden.

Oder, anstatt zu versuchen, etwas gegen einen frustrierenden Zustand zu unternehmen, schweigen wir oft und fressen den Frust in uns hinein. So lange, bis das Fass überläuft….

Objektiv betrachtet können wir im Nachhinein manchmal unsere eigenen Reaktionen nicht mehr nachvollziehen oder blicken mit Unverständnis auf das Verhalten anderer.

Oft ist es nur eine Kleinigkeit, die sozusagen einen Schalter in uns umlegt und damit den Puls auf 180 bringt oder uns verletzt, enttäuscht oder sogar resignieren lässt.

So wie wir die Persönlichkeit und den Charakter anderer Menschen nicht ändern können, können wir auch die Umstände, die uns in diese Situation gebracht haben nicht rückgängig machen.

Aber wir können lernen damit umzugehen, indem wir uns bewusstmachen, dass dieser Umstand gemixt mit unseren persönlichen Erfahrungen, Gedanken und Emotionen uns in diesen Zustand versetzt, der (vielleicht ungewollte) Reaktionen zur Folge hat.

Es sind nicht die Dinge, sondern unsere Gedanken darüber, die uns beunruhigen.

#3 Auge um Auge, Zahn um Zahn

Wenn wir wissen, dass jeder Mensch anders ist und uns versuchen in die andere Person einzufühlen, können wir vielleicht besser verstehen, warum jemand anders reagiert und agiert, als wir es tun würden.

Versuche also Dinge, die du sowieso nicht ändern kannst, etwas gelassener zu sehen.

Es gilt nicht immer „Auge um Auge, Zahn um Zahn“.

Im Gegenteil, du musst nicht auf jede schnippische Bemerkung oder herablassende Äußerung kontern.

Bedenke auch, dass ein Anderer nicht durch deine Brille sehen kann. Er empfindet nicht so, wie du empfindest und er kann auch nicht deine Gedanken teilen. Woher soll er also wissen, dass er dich verletzt oder enttäuscht?

Manchmal kann es auch sinnvoll sein, wenn du jemandem deine Sichtweise und Standpunkt erklärst, nämlich, dass Äußerungen in diese oder jene Richtung, dich persönlich verletzen oder angreifen.

„Der Klügere gibt nach“ bedeutet nicht, dass du aufgegeben oder den Kampf verloren hast, sondern, dass du klug genug bist, die Situation nicht eskalieren zu lassen.

Reif genug bist, um abzuwägen, ob es eines Kampfes benötigt, um die Fronten zu klären.

Genug Selbstbewusstsein hast, um zu wissen, dass du über der Situation stehst und es nicht nötig hast, dich auf kleine Zankereien einzulassen, die letztendlich niemandem etwas bringen.

Und, dass du genug Selbstliebe besitzt, um zu wissen, dass du dir selbst schaden würdest, wenn du deine Freude gegen Wut tauschst.

Gelassenheit bedeutet nicht in Sicherheit zu sein vor dem Sturm, sondern Ruhe zu bewahren in mitten des Sturms.

#4 Trete einen Schritt zurück

Bevor du dich über etwas ärgerst oder durch etwas angreifbar machst, gehe kurz in dich und überlege, ob die Umstände einen Kampf wert sind, den du nur verlieren kannst, weil du dir selbst schadest. Letztendlich förderst du damit nur deine Wut und deinen Ärger, treibst ihn immer mehr an und bist deprimiert, weil du dir selbst das Leben schwermachst.

Das soll nicht bedeuten, dass du alles hinnehmen musst, aber vielleicht einen kleinen Anstoß liefern, kurz inne zu halten und deine Reaktion abzuwägen.

Versuche einen flüchtigen Blick durch die Brille des anderen zu erhaschen und vielleicht ändert das ein bisschen deine Sichtweise auf die Situation.

Versuche die Situation zu reflektieren und zu verstehen, warum gerade diese Situation, diese Äußerung oder dieses Verhalten einen Streit auslösen kann.

Ergründe deine Emotionen und überlege dir, warum gerade das dich verärgert, verletzt oder aufregt. Was in dir fühlt sich gerade angegriffen? Was vermittelt dir diese Situation, sodass du darauf mit Ärger oder Verzweiflung reagierst?

Diese Selbstreflektion kann auch eine gute Basis für ein Gespräch sein, wenn du jemandem mitteilen möchtest, dass hier deine persönliche Grenze überschritten wurde.

Oft denken wir „Ich muss mich doch verteidigen.“ oder „Ich muss für mich selbst einstehen und meinen Standpunkt klar machen.“

Natürlich gibt es diese Momente, aber es gilt abzuwägen, ob es in diesem Moment nötig ist, aus der Haut zu fahren oder ob du nicht -um deiner selbst willen- einen Gang zurückschalten solltest.

Überlege, wie wichtig diese Situation in 1 Jahr für dich sein wird.

War deine Reaktion nötig oder vorteilhaft?

Geht es hier überhaupt um dich als Person?

#5 Alles Kopfsache

Wenn du dir klarmachst, dass du weder andere Menschen, noch die Situation beeinflussen oder ändern kannst, bleibt in unserer x-Gleichung nur noch eine Variable, die du verändern kannst, um gelassener mit der Situation umzugehen, nämlich du selbst.

In der Psychologie sprechen wir von der Feldtheorie, wonach Verhalten eine Funktion von Person und Umwelt ist V=f(P,U)

Wenn wir uns an dieser Stelle bewusstmachen, dass wir selbst die einzige Variable in dieser Gleichung sind, halten wir den Stift in der Hand um den Ausgang der Geschichte umzuschreiben.

Atme also tief durch, wäge deine Reaktion ab und entscheide, ob diese Reaktion angemessen ist – FÜR DICH UND DEIN WOHLBEFINDEN!

Rege dich nicht auf über Menschen oder Situationen. Beide sind machtlos ohne deine Reaktion.

Ich wünsche dir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die du nicht ändern kannst,

Den Mut, Dinge zu ändern, die du ändern kannst

Und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.


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